"Wir sind die Spezialisten"

Die Helen-Keller-Schule sieht sich trotz Elternwahlrecht und Inklusionsklassen nicht bedroht.

  1. Eine gute Präsentation nach Außen ist ihnen wichtig: Rektor Norbert Fisel (links) und Konrektor Frank Peiszan erklären mit wohlgestalteten Schautafeln den Aufbau der Schule. Foto: Sarah Beha

 

MAULBURG. Die Helen-Keller-Schule ist die größte Sonderpädagogische Bildungseinrichtung im Landkreis und kümmert sich momentan um 188 geistig- und körperbehinderte Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region. Eine große Herausforderung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeit sich nicht erst seit der Priorisierung zur Inklusion ständig verändert.

"Unsere Schule entwickelt sich immer weiter", sagt Rektor Norbert Fisel beim Pressegespräch in der Helen-Keller-Schule (HKS). "Die Pädagogen übernehmen heute viel mehr Beratungsaufgaben, was schon aus dem neuen Namen der Schule hervorgeht." Seit 2015, seit der Änderung des Schulgesetzes zur Inklusion durch den Landtag, wurde aus dem Schulverbund das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum. Es besteht aus den beiden Förderschwerpunkten geistige Entwicklung sowie körperliche und motorische Entwicklung, dem Schulkindergarten für Geistigbehinderte in Weil am Rhein, der berufsvorbereitenden Einrichtung und den beratenden Diensten. "Unsere Lehrkräfte unterrichten nicht nur hier vor Ort, sie sind auch als Fachleute beratend an den Schulen im Landkreis unterwegs", erklärt Fisel.

Geändert haben sich mit dem Schulgesetz auch die Schülerzahlen an der Helen-Keller-Schule. "Wir haben pro Schuljahr ungefähr zwölf Kinder weniger", sagt Fisel. Denn inzwischen dürfen Eltern wählen, ob ihr Kind eine sonderpädagogische Schule oder eine Inklusionsklasse besuchen soll. "Das Wahlrecht ist allerdings kein absolutes", sagt Fisel, "die Kinder können nicht immer in die nächstgelegene Schule gehen, sondern dort, wo das Schulamt eine Inklusionsklasse gebildet hat." Denn es müssten sich erst genügend Kinder finden, um eine Gruppe zu bilden und selbst innerhalb dieser hätten Kinder oft unterschiedlichen Förderbedarf.

Dahingegen hätte die Helen-Keller-Schule den Vorteil, auf die Kinder angepasste Angebote bieten zu können. "Wir haben eine wahnsinnige Bandbreite, von schwerst- und mehrfachbehinderten Kindern bis hin zum normalintelligenten Grundschulkind. Deshalb haben wir sehr kleine Klassen mit sechs bis neun Schülern. Und wir sind die Spezialisten." Angst, dass die Schule in Zukunft schrumpfen wird, hat der Rektor nicht. "Die Zahlen werden sich einpendeln, nicht alle Eltern suchen nach Inklusion."

Trotzdem ist das Thema an der Helen-Keller-Schule allgegenwärtig. Vor allem durch die Beratungsangebote, die das Beratungszentrum für andere Schulen im Landkreis bereithält. Außerdem gibt es an der HKS bereits seit sieben Jahren Inklusionsklassen. Dabei werden Schüler der Helen-Keller-Schule in aktuell fünf Grundschulklassen im Landkreis inklusiv unterrichtet. Darüber hinaus präsentiert sich das Bildungs- und Beratungszentrum auch nach außen mit Informationsabenden, Infobroschüren, einem Schulfest und einem Tag der offenen Tür. "Wir gehen raus und laden ein", sagt Rektor Norbert Fisel, "weil wir zeigen wollen, dass wir hier eine richtig gute Arbeit machen und weil wir die Kinder in die Gesellschaft miteinbeziehen wollen."

Mehr als 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten an der Schule im pädagogischen Bereich, sie werden teilweise vom Land, aber auch vom Landkreis Lörrach gestellt. "Über die Stellenvergabe können wir uns nicht beschweren, wir werden sehr gut unterstützt", sagt Fisel. "Allerdings zeichnet es sich seit ein paar Jahren ab, dass sich immer weniger Lehrkräfte finden. Gerade für die Sonderschulen werden zu wenig Lehrer ausgebildet." Für die Zukunft erhofft sich Norbert Fisel eine Lösung für dieses Problem. Grundsätzlich erlebe die Sonderpädagogik gerade eine Umbruchzeit. "Keiner weiß genau, wie sich alles entwickeln wir, aber wir sind auf einem guten Weg."

Info: Die Helen-Keller-Schule lädt am Samstag, 6. Mai, 14 bis 18 Uhr, zum Schulfest in Maulburg und der Außenstelle Steinen. Weitere Infos http://www.hks-maulburg.de
(Artikel aus: Badische-Zeitung vom 04.05.2017)